| Strom ist nicht gleich Strom |
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| geschrieben von sb 30. Mai 2009 | |
![]() ![]() Dieser Frage ging die Mitarbeiterzeitung der S-Bahn Berlin GmbH im August 1999 anläßlich des 75. Geburtstags der Berliner Gleichstrom-S-Bahn nach. Um es vorwegzunehmen: Natürlich ist das Gleichstromsystem auch heute noch sinnvoll, denn eine Umstellung würde Milliardenkosten verursachen. Veröffentlichung des Artikels mit freundlicher Genehmigung der S-Bahn Berlin GmbH.
Vor fünf Jahren: Entscheidung pro Gleichstrom-S-BahnDer Fall der Berliner Mauer, die sprunghaft angestiegen Nachfrage nach traditionellen innerstädtischen Verbindungen und die Notwendigkeit der Reaktivierung brachliegender Strecken stellte auch die Frage nach der Zukunft des gleichstrombetriebenen S-Bahn-Netzes: Ist die klassisch rot-gelbe Berlinerin mit der seitlichen Stromschiene ein Auslaufmodell?
![]() ![]() Doch als vor nunmehr 75 Jahren ab August 1924 die ersten elektrifizierten Strecken nach Bernau, Oranienburg und Velten in Betrieb gingen, hatte die damalige Deutsche Reichsbahngesellschaft zweckmäßigerweise die für den elektrischen Betrieb in Frage kommenden Streckengleise mit einer Stromschiene für Gleichstrom 800 Volt versehen und Fahrzeuge eingesetzt, deren Technik sich seit längerer Zeit bei Straßen- und U-Bahnen bewährt hatte. Zweifellos war zum damaligen Zeitpunkt die Entwicklung der Gleichstromtechnik weiter fortgeschritten als im Wechselstrombereich. Bei diesem System war ein Umbau der vorhandenen Anlagen für Oberleitungsbetrieb, wie das Anheben von Brücken, generell nicht notwendig. Das Verändern der Bahnsteige für den ebenen Einstieg in die Fahrzeuge, die Modernisierung der Signal- und Sicherungstechnik waren systemunabhängig. Geplante Tunnelbauten waren wegen des niedrigeren Fahrzeugprofils kostengünstiger als bei der Elektrifizierung mit Oberleitung.
Auch bei der Untersuchung vor fünf Jahren spielten die Erfordernisse der Profilfreimachung eine nicht unwesentliche Rolle. Die heutigen S-Bahn-Züge benötigen in der Höhe einen eingeschränkten Regellichtraum von 3,80 Metern, normale Züge hingegen 4,65 Meter über Schienenoberkante. Das hätte bedeutet, 85 feste Bauwerke mit zum Teil erheblichem Aufwand verändern zu müssen. Der Nord-Süd-Tunnel wäre aus dem S-Bahn-Netz herausgefallen. Die Installation neuer Fahrleitungen, der Ersatz bisheriger Zugsicherungs- und Stellwerkstechnik, die Fahrzeugneubeschaffung und die Gewährleistung der Stromversorgung hätte viel Arbeit für die Beteiligten bedeutet. Die voraussichtlichen Kosten der Umstellung wurden mit 10 Milliarden Mark beziffert.
Ingo Priegnitz |
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